Hinweis: Verständliche Rechtsinformation, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG. Im Einzelfall entscheidet ein Anwalt.

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Arbeitsrecht

Überstunden: bezahlt, nur wenn du sie beweisen kannst

Überstunden sind selten strittig, weil jemand sie leugnet, sondern weil niemand sie belegen kann. Dazu kommen Ausschlussfristen im Arbeitsvertrag, die Ansprüche nach drei Monaten kappen. Wer beides kennt, sichert seine Stunden mit wenig Aufwand.

Wann Überstunden zu bezahlen sind

Vergütungspflicht besteht, wenn Überstunden angeordnet, gebilligt, geduldet oder zur Erledigung der Arbeit notwendig waren. Reine Anwesenheit genügt nicht; es kommt auf die Arbeitsleistung an. Bei Führungskräften mit deutlich überdurchschnittlichem Gehalt kann eine Vergütung ausnahmsweise nicht erwartbar sein.

Pauschalklauseln

Klauseln wie mit dem Gehalt sind alle Überstunden abgegolten sind unwirksam, wenn sie den Umfang nicht klar begrenzen. Zulässig ist allenfalls eine transparente Regelung mit konkreter Obergrenze, etwa zehn Stunden im Monat.

Arbeitszeitgesetz: die harten Grenzen

Werktäglich sind acht Stunden erlaubt, bis zehn Stunden nur, wenn im Schnitt von sechs Monaten acht Stunden nicht überschritten werden. Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen sind elf Stunden. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten und stärken deine Position, unabhängig von der Vergütungsfrage.

Beweise sichern, die zählen

Führe ein eigenes Stundenprotokoll mit Datum, Beginn, Ende, Pausen und Aufgabe. Sichere E-Mails mit Zeitstempel, Kalendereinträge, Schichtpläne, Zugangsprotokolle. Nach der Rechtsprechung genügt eine schlüssige, nachvollziehbare Aufstellung, auf die der Arbeitgeber substantiiert erwidern muss.

Freizeitausgleich oder Geld

Beides ist möglich, wenn nichts anderes vereinbart ist, entscheidet in der Regel der Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechts. Ein Arbeitszeitkonto muss transparent geführt werden; Verfallklauseln für Guthaben sind eng zu prüfen. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses wird ein Restguthaben ausgezahlt.

FAQ: Überstunden in Kurzform

Muss ich Überstunden leisten? Nur bei vertraglicher oder tariflicher Grundlage oder im Notfall. Zählt der Weg zur Arbeit? Nein, Wegezeit ist keine Arbeitszeit, Dienstreisen teils schon. Gilt das auch in Teilzeit? Ja, Mehrarbeit ist ebenso zu vergüten. Und bei Vertrauensarbeitszeit? Auch dort besteht Anspruch, die Dokumentation wird nur wichtiger.

Schritt für Schritt
  1. Arbeitsvertrag und Tarifvertrag auf Ausschlussfristen prüfen.
  2. Eigenes Stundenprotokoll ab sofort führen.
  3. Belege sammeln: E-Mails, Kalender, Schichtpläne.
  4. Ansprüche schriftlich innerhalb der Ausschlussfrist geltend machen.
  5. Bei Ablehnung Betriebsrat oder Gewerkschaft einschalten.
Fertige Vorlage Geltendmachung von Überstundenvergütung
Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zeitraum vom [DATUM] bis [DATUM] habe ich [ANZAHL] Überstunden geleistet. Eine detaillierte Aufstellung mit Datum, Beginn, Ende, Pausen und Tätigkeit ist beigefügt.

Die Stunden wurden angeordnet bzw. waren zur Erledigung der übertragenen Aufgaben erforderlich und sind vergütungspflichtig.

Ich fordere Sie auf, die Stunden bis zum [DATUM + 14 TAGE] abzurechnen und auszuzahlen, hilfsweise dem Arbeitszeitkonto gutzuschreiben.

Mit freundlichen Grüßen
Platzhalter in eckigen Klammern ersetzen. Muster ohne Gewähr — bei hohen Beträgen anwaltlich prüfen lassen.
Praxis-Tipp Schick dir dein Stundenprotokoll monatlich selbst per E-Mail an eine private Adresse. Das erzeugt einen unabhängigen Zeitstempel — und du behältst die Daten, wenn der Firmenzugang endet.
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